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Studierende in den Seminarräumen des O-Gebäudes, Foto: Universität Paderborn, Fotografin: Judith Kraft Bildinformationen anzeigen

Studierende in den Seminarräumen des O-Gebäudes, Foto: Universität Paderborn, Fotografin: Judith Kraft

| Simon Ratmann, Ricarda Michels

„Tag der Lehre“ an der Universität Paderborn: Experten diskutierten über gute Lehre in den ersten Semestern

Von der Schulbank in den Hörsaal: Studieren liegt bei jungen Menschen deutschlandweit im Trend. Die Zahl der Studienanfänger steigt seit Jahren kontinuierlich. Doch wie können Schüler optimal auf den Studienstart vorbereitet werden und was macht gute Lehre in den ersten Semestern aus? Das war am 15. Januar Thema des achten „Tags der Lehre“ an der Universität Paderborn. Die Veranstaltung findet seit 2012 jährlich statt und wird von der Stabsstelle Bildungsinnovationen und Hochschuldidaktik organisiert.

„Es ist die gemeinsame Aufgabe von Schulen und Hochschulen, junge Leute so zu fördern, dass sie später an einer Hochschule erfolgreich sein können“, betonte Dr. Elke Bosse von der Universität Hamburg in ihrer Keynote. Bosse leitet ein Projekt zum Thema Studierfähigkeit. Hier wird untersucht, was junge Menschen für einen erfolgreichen Studienstart benötigen. Bosse und ihr Team befragen Studierende an vier Hochschulen zu ihren Erfahrungen in den ersten Semestern. Daneben analysieren die Wissenschaftler die Angebote der Unis für Studienanfänger. Bosse: „So können wir vier Dimensionen des Studienstarts erfassen. Inhaltlich: Wie kommen die Studierenden mit dem Fachniveau klar? Personal: Wie bewältigen sie das geforderte Lernpensum? Sozial: Kommen sie beispielsweise mit Teamarbeit zurecht? Organisatorisch: Wie setzen die Studierenden formale Vorgaben um?“.

„Sind Abiturienten nicht mehr ausreichend auf den Studienstart vorbereitet?“, fragte Prof. Dr. Niclas Schaper von der Universität Paderborn zu Beginn der von ihm moderierten Podiumsdiskussion. „Durch die Einführung der verkürzten Schulzeit fiel einiges, was einmal Teil des Lehrplans war, raus. Daher werden wissenschaftliche Arbeitsweisen, die auf die Uni vorbereiten, nicht mehr so vermittelt wie früher“, stellte Nicole Michaelis, Schulleiterin des Paderborner Gymnasiums Theodorianum, fest.

Für Prof. Dr. Dr. Oliver Reis von der Universität Paderborn müssen Lehre und Lehrformate in den ersten Semestern teils grundlegend überdacht werden: „Zu Beginn des Studiums setzt sich Schule mit anderen Mitteln fort. In den Bachelor-Studiengängen ist die akademische Kompetenzorientierung bislang kaum angekommen. Die Studierenden müssen viel kurzfristig auswendig lernen. Eigenständiges und reflektiertes Lernen kommt zu kurz.“ Nicolai Rodehutskors, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) und Student der Wirtschaftsinformatik, pflichtete bei und ergänzte: „Die Unis müssen sich Gedanken machen, ob die Verschulung der Studiengänge so sinnvoll ist und ob nicht mehr proaktives Lernen gefördert werden sollte.“

Wie kann der Studieneinstieg gelingen? Dazu hatten die Diskutanten gleich mehrere Ideen. „Unis und Schulen könnten ein gemeinsames Portfolio entwickeln“, regte Sigrid Beer, Sprecherin für Bildung, Petitionen und Religionspolitik der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von NRW, an. „Im Zentrum dieses Portfolios sollte die Frage stehen: Welche akademischen und kognitiven Fähigkeiten brauchen Schüler, um an einer Hochschule zu bestehen?“. Olivia Key, Projektmanagerin bei CHE Consult, plädierte für ein gemeinsames Eingangsjahr: „Nach einem Eingangstest könnte es für alle Studierenden verpflichtende Angebote geben, mit denen sie an den Lernort Uni gewöhnt werden.“ Nicole Michaelis ging noch einen Schritt zurück zu den Schulen und ergänzte: „Durch Projektkurse in der Oberstufe und Übergangskurse können Schüler das wissenschaftliche Arbeiten kennenlernen und erste Kontakte zu Unis knüpfen.“

„Die Studierenden müssen nicht nur den Lernort Uni, sondern auch die Wissenschaftspraxis kennenlernen“, betonte Oliver Reis zum Abschluss der Diskussion. Dazu gebe es an der Universität Paderborn schon einige sehr gute Angebote, wie beispielsweise das „Kompetenzzentrum Schreiben“, das Studierenden wissenschaftliches Schreiben und Arbeiten vermittle.

Vergabe von Förderpreisen und Zertifikaten

Zum Abschluss des „Tags der Lehre“ verlieh die Universität Preise für exzellente Lehre im Jahr 2018. Der „Förderpreis für Innovation und Qualität in der Lehre“ ging zum einen an Prof. Dr. Sabine Fechner (Chemie). Sie wurde für ihr Projekt „Experimentieren im Spannungsfeld multidisziplinärer Anforderungen – der digitale Erste-Hilfe-Koffer für Studierende der Ernährungslehre im Bereich Chemie“ ausgezeichnet. Prof. Dr.-Ing. Tibor Jager (Informatik) wurde für sein Projekt „Capture the Flag: Gamification of Learning in der Cyber Security“ geehrt. Marianne Viader (Zentrum für Sprachlehre) erhielt die Ehrung für ihr Projekt „Sprachen im digitalen Zeitalter – Blended Learning-Kurse als Beitrag zur Internationalisierung der UPB“.

Der „Lehrpreis für den wissenschaftlichen Nachwuchs“ ging an Daniel Heinrich und Juliane Püschl (Mathematik). Sie wurden für ihr Schulungskonzept „Tutorenqualifizierung in der Mathematikdidaktik“ ausgezeichnet. Dr. Tim Pickartz (Kunst) erhielt den Preis für sein Lehrkonzept „Forschen und Lernen in außeruniversitären Institutionen am Beispiel des Seminars „Tiefenbohrungen“ in Kooperation mit dem documenta archiv“. Sarah Schauberger (Musik) wurde für ihr Blockseminar „Musikfestivals als Heterotopie – Methodenseminar zur Feldforschung mit Exkursion zum Rudolstadt-Festival“ geehrt.

Das „E-Learning-Label für qualitativ hochwertige digitale Lehre“ ging in der Kategorie „Professoren“ an Prof. Dr. Marc Beutner und Prof. Dr. Tobias Jenert (Wirtschaftspädagogik). Sie wurden für ihre Veranstaltung „Grundlagen betrieblicher Bildungsarbeit“ ausgezeichnet. In der Kategorie „wissenschaftlicher Nachwuchs“ erhielt Amélie Charvet (Romanistik) das Label für ihre Veranstaltung „Expression Écrite et Orale I“.

Mit dem Gesamtzertifikat „Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschule“ wurden Dr. Frederik Simon Bäumer (Digitale Kulturwissenschaften), Lara Diederichs (Germanistik/Vergleichende Literaturwissenschaften), Mirja Englert (Zentrum für Sprachlehre), Christiane Golombek (Psychologie) und Dr. Thim Strothmann (Software Innovationen Campus) geehrt.

Eine Auszeichnung erhielten außerdem die Absolventinnen des Qualifizierungsprogramms für hochschuldidaktische Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Dr. Kristin Eichhorn (Germanistik/Vergleichende Literaturwissenschaften), Julia Kamp (Didaktik der Chemie) und Julia Theis (Institut für Kunst/Musik/Textil).

Als Absolventen der Tutorienprogramme für die Bereiche Kulturwissenschaften, Naturwissenschaften und Informatik wurden Luisa Bremer (Germanistik/Vergleichende Literaturwissenschaften), Elisabeth Frank (Germanistik/Vergleichende Literaturwissenschaften), Saskia Holsträter (Institut für Kunst/Musik/Textil, Medienwissenschaften) und Moritz Knurr (Institut für Kunst/Musik/Textil) gewürdigt.

Die Universität der Informationsgesellschaft